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Haus verklinkern – die Alternative zu Putz

Während in manchen Teilen Deutschlands Klinkerfassaden eher selten vorkommen, sind sie in anderen Gebieten fast schon die Regel. Insbesondere in Norddeutschland sind verklinkerte Häuser sehr häufig zu finden. Liebäugeln Sie ebenfalls mit einem Verblendmauerwerk, so kann dieser Ratgeber wertvolle Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung geben.

Klinkerfassaden

Vorteile von Verblendmauerwerk

Optisch sind Klinker sicherlich Geschmackssache, wobei es sicherlich auch auf Farbe, Größe und Verlegemuster der Steine ankommt. Ansonsten hat eine Klinkerfassade jedoch einige Vorteile gegenüber einer Putzfassade:

  • Sie ist äußerst langlebig und nahezu wartungsfrei
  • Die Steine bleichen nicht aus durch Sonneneinstrahlung
  • Regen und Frost können den Steinen nichts anhaben
  • Mit farbigen Fugen lassen sich interessante Effekte erzielen
  • Die Steine lassen sich in verschiedensten Mustern verlegen
  • Verbessern Schallschutz und Wärmeschutz

Was sind überhaupt Klinker?

Klinker sind Ziegel, die bei besonders hohen Temperaturen gebrannt wurden und daher besonders hart und dicht sind. Aus diesem Grunde sind sie auch besonders für Verblendmauerwerk geeignet. Die Ziegel können als Vormauersteine mit Mörtel direkt mit der Hausmauer verbunden sein.

Man kann aber auch eine 6 cm dicke Luftschicht zwischen der Hausmauer und der äußeren Schale lassen. Wichtig ist aber eine ausreichende Hinterlüftung, die über Öffnungen unten und oben im Verblendmauerwerk erreicht wird.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Wenn die Klinkerfassade fertig, sieht der Laie keinen Unterschied mehr – wie es innendrin aussieht und wie die Klinker aufgebaut sind, unterscheidet sich doch erheblich. Folgende vier Möglichkeiten sind zum Beispiel denkbar:

  • eine klassische Vormauerschale mit oder ohne Luftschicht
  • eine nachträglich angebrachte Vormauerschale
  • eine Verklinkerung der Fassade mit Klinkerriemchen
  • Das Anbringen von Klinkerriemchen mit aufkaschierter Dämmung

Wie sieht es mit der Dämmung aus?

Klinkerfassaden lassen sich auf verschiedenste Weise dämmen – zum Beispiel mit einer Einblasdämmung oder Dämmplatten. Außerdem gibt es Verbundsysteme, bei denen Klinkerriemchen bereits auf der Dämmung aufgebracht sind. Hier erledigen Sie zwei Arbeitsschritte in einem. Zu diesen Isoklinkern gleich noch etwas mehr.

Bei der Einblasdämmung ist die Verklinkerung bereits vorhanden – die Mauer besteht aus zwei Schalen die mit Ankern miteinander verbunden sind. In der Mitte ist ein Hohlraum. Durch ein kleines Loch in der Wand wird der Dämmstoff eingeblasen.

Vor dem Anbringen der Vormauerschale lässt sich außerdem eine Dämmung mit Dämmplatten vornehmen – zum Beispiel aus Mineralwolle oder PUR-Hartschaum.

Noch ein paar Worte zum Isoklinker

Etwa einen Quadratmeter groß sind die Elemente eines Isolierklinkers. In diesem Element werden echte Ziegel mit Hartschaum kombiniert. Dabei sind die Riemchen mit der PUR-Hartschaumplatte dauerhaft verbunden. Die Platten übernehmen sowohl die Aufgabe der Fassadengestaltung als auch die Funktion einer zusätzlichen Wärmedämmung.

Das System wird von zahlreichen Firmen und in den unterschiedlichsten Farben angeboten. Der Vorteil von Isolierklinker ist die einfache Montage. Die Platten werden mit Dübeln an der Wand befestigt, ein zusätzliches Fundament ist nicht notwendig.

Weiterhin können Isolierklinker sowohl bei konventionellem Mauerwerk als auch bei den verschiedenen Wandkonstruktionen von Fertighäusern eingesetzt werden. Elemente für die Ecken des Hauses, für Tür- und Fensteröffnungen sowie Sturzelemente für Fenster und Türen werden individuell für jede Hauskonstruktion hergestellt.

Klinker auf Baustelle

Welche Formate haben die Klinker?

Das Aussehen der Fassade wird sehr stark auch von den Steinformaten beeinflusst. Die gebräuchlichsten Formate heißen NF, DF und 2DF:

  • Die Abkürzung NF bedeutet Normalformat. Das Normalformat bringt eine klare Fassadenaussage.
  • DF bedeutet Dünnformat. Dieser flache Klinker sorgt für eine feingliedrige Fassadenwirkung.
  • 2DF bedeutet zweifaches Dünnformat. Es eignet sich überall dort, wo große Flächen nur sparsam gegliedert werden sollen.
Kommen wir zu den Größen. Als Basis für die verschiedenen Formate dient das Normalformat mit den Maßen 240 mm Länge, 115 mm Breite und 71 mm Höhe. Das Dünnformat weist hingegen eine Höhe von nur 52 mm auf.

Mitunter werden auch Klinker im LDF-Format angeboten (Langdünnformat). Diese Steine sind dann 290 mm lang, 90 mm breit und 52 mm hoch.

Daraus ergeben sich folgende Schichtmaße:

Format

 DF

 LDF

 NF

 2DF

Steinhöhe [mm]

 52

 52

 71

 113

Steinbreite [mm]

240

290

240

 240

Lagerfuge [mm]

 10,5

 10,5

 12,3

 12,0

Schichthöhe [mm]

 62,5

 62,5

 83,3

 125

Schichten je m

 16

 16

 12

  8

Klinker je m² ca.

 64

 54

 48

 32

Welche Farben gibt es?

Klinker sind in vielen verschiedenen Farbtönen von beige, braun, rot bis hin zu violett erhältlich. Da die Farben lichtbeständig sind, ist ein nachträgliches Bleichen durch Sonneneinstrahlung nicht zu erwarten. Ein unschätzbarer Vorteil, denn Sie sehen sofort, wie das Haus auch noch in zwanzig Jahren aussehen wird.

Die Klinker und Riemchen sind aber nicht nur in den verschiedensten Farben erhältlich – es gibt sie auch in den unterschiedlichsten Optiken. Ich persönlich mag die Steine zum Beispiel ganz auf alt getrimmt und mit gebrochenen Kanten. Andere mögen es dafür lieber mit besonders glatter Oberfläche, während manche es etwas rauer mögen. Das ist letztlich immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Welche Verbände gibt es?

Neben dem klassischen Mauerwerksverband, bei dem jede zweite Reihe um einen halben beziehungsweise viertel Stein gegenüber der vorherigen Steinreihe versetzt angeordnet wird, kommen auch noch Zierverbände in Frage. Wie haben Ihnen einige gebräuchliche und klassischen Verbände zusammengestellt und auch mit verschiedenen Farben experimentiert. Schauen Sie selbst:

Gotischer Verband

Beim Gotischen Verband liegen in jeder Schicht abwechselnd Läufer und Binder nebeneinander. Läufer sind Steine, bei denen man die Längsseite sieht. Sind die Kopfseiten der Steine zu sehen, spricht man von Bindern. Natürlich können Sie diesen Verband nach Belieben auch nach Ihren Vorstellungen abwandeln.

Gotischer Verband

Holländischer Verband

Beim Holländischen Verband wechseln Läufer-Binder-Schichten und Binderschichten regelmäßig miteinander ab. Die Binder jeder Läufer-Binder-Schicht liegen übereinander.

Holländischer Verband

Kreuzverband

Beim Kreuzverband wechseln sich Binder- und Läufer Schichten ab. Jede zweite Läuferschicht ist um einen halben Stein versetzt. Dadurch bildet sich eine Kreuzstruktur.

Kreuzverband

Märkischer Verband

Beim Märkischen Verband wechseln sich in jeder Schicht zwei Läufern und ein Binder ab.

Märkischer Verband

Schlesischer Verband

Drei Läufer und ein Binder wechseln sich beim Schlesischen Verband in jeder Schicht ab.

Schlesischer Verband

Wie funktioniert das mit den Fugen?

Verblendmauerwerk soll optisch ansprechend sein. Dazu gehören auch die Fugen. Das Verhältnis Fuge – Stein muß so beschaffen sein, daß es vom Betrachter als ansehnlich empfunden wird. Die DIN empfiehlt eine Dicke  von 10 mm bei der Stoßfuge und bei der Lagerfuge von 12 mm.

Diese Werte sind Richtmaße und kein “muss”, die Fugen sollten jedoch ein bestimmtes Kleinstmaß und Größtmaß nicht unter- bzw. überschreiten. Eine konstruktive Bedeutung haben die Fugen bei Verblendmauerwerk jedoch nicht, das heißt auf die Standfestigkeit haben die Fugen keinen Einfluß. Aus gestalterischen Gründen kann die Dicke der Fugen auch größer (maurische Fugen) oder kleiner (Dünnbettfugen) sein.

Ausbildung der Fugen

Nicht nur durch die Fugendicke kann die Optik des Verblendmauerwerks beeinflusst werden. Auch die Ausbildung der Fugen bestimmt wesentlich das Aussehen und die optische Wirkung der Verblendung.

Die einfachste Lösung ist der Fugenglattstrich mit einem Stück Gummischlauch. Sie ersparen sich dabei das Auskratzen der Fugen und die Verwendung von Fugenmörtel. Doch gerade dies kann zu interessanten Effekten führen, denn Fugenmörtel ist in verschiedenen Farben erhältlich.

Darüber hinaus können Sie die Fuge mit einer Spitzkelle V-förmig ausbilden oder mit einer schräg gehaltenen Kelle abschrägen. Besonders betont wird das Mauerwerk durch Schattenfugen, die mit einem speziellen Fugenauskratzer hergestellt werden.

Ist eine nachträgliche Verklinkerung möglich?

Grundsätzlich ja – zwei Dinge sollten Sie jedoch beachten:

  • Durch die Vormauerschale entstehen extrem tiefe Fensterlaibungen, was nicht besonders schön aussieht und auch wegen der Dämmung häufig Probleme macht.
  • Der Wandaufbau ist ebenfalls häufig problematisch. Hier muss alles ganz genau durchgerechnet werden, um Feuchteschäden zu vermeiden.
Daher gilt: Wollen Sie nachträglich Ihr Haus mit einer Klinkerfassade versehen, haben aber nicht genügend Platz, eignen sich Sparverblender. Diese haben die gleichen Formate wie normale Verblender, nur dass sie etwa halb so dick sind.

Nicht gemauert, sondern an die Hauswand geklebt werden Riemchen, die eine Stärke von etwa 8-20 Millimeter haben. Diese eignen sich ebenfalls sehr gut für eine nachträgliche Verklinkerung.

Was kostet eine Klinkerfassade?

Das ist in etwa so einfach zu beantworten wie die Frage nach den Kosten eines Autos. Bei der Klinkerfassade spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Die Kosten für die Stein
  • Die Arbeitskosten
  • Die Kosten für die Dämmung
  • Das Stellen eines Gerüsts
Für den Klinker selbst sollten Sie mit Kosten zwischen 40 und 90 Euro pro Quadratmeter rechnen. Die Arbeitskosten liegen in der Regel sogar noch darüber – zwischen 80 und 100 Euro. Da sind dann immerhin schon der Mörtel und die Anker mit dabei.

Und jetzt sind Sie an der Reihe

Sie wissen jetzt ziemlich viel über Klinker und wie vielseitig sie an der Fassade zum Einsatz kommen. Sie wissen, welche Kosten in etwa auf Sie zukommen und welche Vorteile eine Klinkerfassade besitzt. Sie kennen verschiedene Verlegevarianten und wissen, welche Dämmung möglich ist. Sie haben außerdem erfahren, auf was Sie achten sollten, wenn Sie ein Verblendmauerwerk nachträglich installieren möchten. Und hat es Ihnen gefallen? Wünschen Sie jetzt auch ein Haus mit Klinker? Ich wohne seit über 10 Jahren in solch einem Haus und bin sehr zufrieden.

 

 

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