In anderen Ländern wie den USA, Kanada oder Skandinavien sind zentrale Staubsaugeranlagen fast schon Standard. Es gibt sie bereits seit mehr als 100 Jahren, dennoch greifen Hausfrauen und Hausmänner hierzulande lieber zum Handgerät. Dabei hat ein Zentralstaubsauger, der mitunter auch als Einbaustaubsauger bezeichnet wird, einige Vorteile. Was es beim Kauf alles zu beachten gibt, welche Vorzüge solch ein Anlage besitzt und wie sie funktioniert, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

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zentrale Staubsaugeranlage

Maximale Saugleistung bei minimalem Aufwand: Eine zentrale Staubsaugeranlage (Foto: epr/Allaway)

Was ist eine zentrale Staubsaugeranlage?

Eine zentrale Staubsaugeranlage – das bedeutet, es gibt einen zentralen Ort, an dem der Schmutz gesammelt wird. Drei wesentliche Bestandteile sind:

  • Zentralgerät
  • Rohrsystem
  • Saugsteckdosen und Kehrsaugdosen

Das Herz einer Staubsaugeranlage ist das Zentralgerät – dabei handelt es sich um einen Motor mit Vakuumpumpe. Zu dem Gerät führt ein Rohrsystem, das sich über das Haus verzweigt und in dem der Schmutz transportiert wird.

Die Rohre enden an sogenannten Saugsteckdosen, an die ein Saugschlauch mit Bürste angeschlossen werden kann. Der Schlauch ist in der Regel sechs bis zwölf Meter lang. Damit decken Sie bereits einen recht großen Radius ab.

Durch gute strategische Planung können Sie die Anzahl der Saugdosen minimieren. Weniger Dosen bedeutet weniger Rohre,  ein geringerer Pumpenstärke, einen geringeren Montageaufwand und letztlich auch einen  günstigeren Preis.

Praktisch sind sogenannte Kehrleistensaugdosen. Der Schmutz wird hier zur Öffnung gekehrt und dort automatisch eingesaugt. Zu sehen ist das zum Beispiel häufig beim Friseur, um die Haare schnell und einfach zu entsorgen. Ich könnte mir solch eine Kehrleiste auch gut in meiner Küche vorstellen. Kehrsaugöffnungen sind überall dort denkbar, wo gekehrt werden muss – also bei glatten Bodenbelägen.

Die Abluft gelangt bei einer Staubsaugeranlage in der Regel ins Freie. Sie brauchen allerdings keine Angst vor übergroßen Wärmeverlusten zu haben. Der Fortluftvolumenstrom hat einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Energiebilanz des Gebäudes – ein Zentralstaubsauger kann problemlos auch in Passivhäusern oder Niedrigenergiehäusern mit dichter Gebäudehülle genutzt werden.

Schema Staubsaugeranlage

Ohne großen Aufwand kann das System sowohl in einen Neubau als auch in einen Bestandsbau integriert werden.

Auf das sollten Sie beim Kauf achten

Die Pumpe als zentrales Gerät ist in verschiedenen Leistungsstärken erhältlich. Es gibt zum Beispiel welche, bei denen die Rohrlänge bis zur Saugdose bis 50 Meter betragen darf, andere Pumpen schaffen hingegen nur 30 Meter oder noch weniger. Das mag für kleine Wohnungen ausreichen, bei größeren Häusern oder wenn mehrere Etagen überbrückt werden müssen, kann das jedoch zu wenig sein.

Generell sollte das Leitungssystem so kurz wie möglich sein und es sollten so wenig Verzweigungen wie möglich installiert werden. Die längste Rohrlänge von der entferntesten Saugdose zum Zentralstaubsauger und weiter zum Fortluftauslass ist für die Leistungsermittlung heranzuziehen.

Wenn Sie sich für eine Staubsaugeranlage entscheiden, benötigen Sie einen Raum, in dem Sie Motor und Sammelbehälter unterbringen können. Achten Sie darauf, dass der Raum möglichst zentral liegt. Um die Leitungswege zu minimieren.

Was für ein Raum das ist, bleibt Ihnen überlassen. Das kann der Keller sein, ein Hobbyraum oder die Garage. Apropos Garage: Planen Sie dort unbedingt auch eine Saugsteckdose ein, dann können Sie Ihren Wagen ganz bequem reinigen.

Auf die Filtertechnik sollten Sie beim Kauf einer Staubsaugeranlage ebenfalls einen Blick werden. Das System sollte mit einem Dauerfilter besitzen, dadurch entfallen Folgekosten durch Wegwerffilter und die Umwelt wird geschont.

Welche Rohre?

In der Regel kommen für eine Staubsaugeranlage HT-Rohre mit einem Durchmesser von 50 Millimeter zum Einsatz. Wichtig ist vor allem, dass sich die Rohre nicht statisch aufladen, einen geringen Strömungswiderstand besitzen und absolut dicht sind. Nur so lässt sich eine hohe Saugleistung realisieren.

Achten Sie außerdem darauf, dass die Rohre schallgedämmt sind. Die Schalldämmung ist entweder bereits integriert oder sie kann durch spezielle Schallschutzfolien, die über das Rohr gestülpt werden, sichergesellt werden.

Sie brauchen sich übrigens keine Sorge machen, dass über das Rohrsystem ein Lauschangriff erfolgen an. Ist die Klappe der Saugdose geschlossen, dringt nichts nach draußen. Funktionieren würde es nur, wenn zwei Deckel gleichzeitig geöffnet sind und der Sauger nicht läuft.

Welche Schlauchlänge?

Ich habe bereits geschrieben, dass ein Saugschlauch in der Regel zwischen sechs und zwölf Meter lang ist. Ein langer Schlauch hat den Vorteil, dass weniger Saugsteckdosen notwendig sind und dass seltener umgesteckt werden muss. Allerdings ist ein langer Schlauch schlechter zu handhaben.

Bei einer konventionellen Staubsaugeranlage ist eine Schlauchlänge von neun Metern daher eher ratsam. Eine Alternative sind Systeme mit Einzugsschlauch. Hier befindet sich der Schlauch im Rohrsystem und kann je nach Bedarf mehr oder weniger lang herausgezogen werden.

Installation in Neubau und Altbau

Bei einem Neubau lassen sich die Rohre relativ einfach einplanen und zum Beispiel in den Estrich integrieren. Wichtig ist hierbei allerding, dass Sie das rechtzeitig bei der Planung berücksichtigen – also insbesondere bevor die Estrichleger ihre Arbeit vollendet haben.

Ist der Einbau in den Estrich nicht möglich, ist ein Wandeinbau die Alternative. Zum Beispiel in ein Vorwandsystem – das ist insbesondere bei Altbauten die bevorzugte Methode. Auch die Integration hinter einem breiten Sockel ist möglich. Sie sehen – es müssen keine kompletten Wände aufgerissen werden. Durchführungen durch Wand und/oder Decke allerdings schon.

Falls Sie jetzt gerade bauen, aber noch nicht genau wissen, ob Sie später einen Zentralstaubsauger haben wollen, sollten Sie einfach im Zuge der Hausabfluss-Installation bereits das Rohrsystem verlegen lassen. So können Sie später ohne größeren Aufwand eine Staubsaugeranlage in Betrieb nehmen. Es müssen dann nur noch Pumpe und Schmutzbehälter angeschlossen werden.

Vor- und Nachteile

Ein Zentralstaubsauger hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile, die hier nicht verschwiegen werden sollen.

Vorteile:

  • Allergikerfreundlich: Staubsaugeranlagen entfernen nicht nur den groben Schmutz, sondern auch feine Staubpartikel, Pollen oder Milben.
  • Leichte Handhabung: Sie müssen nur den Schlauch und den Bürstenaufsatz schleppen, das erleichtert insbesondere das Absaugen von Treppen.
  • Kein störendes Kabel: Da Sie kein Stromkabel benötigen, können Sie sich nicht darin verheddern.
  • Leises Saugen: Das Saugen mit einem Zentralstaubsauger ist so leise, dass dabei sogar Ihr Baby weiterschlafen kann.
  • Leistungsfähig: Staubsaugeranlagen sind wesentlich leistungsfähiger als herkömmliche Staubsauger. Selbst hartnäckige Tierhaare lassen sich problemlos entfernen.
  • Seltene Entleerung: Sie müssen den Schmutzfangbehälter des Zentralsaugers wesentlich seltener leeren als den Staubsaugerbeutel eines herkömmlichen Saugers.
  • Langlebig: Eine Staubsaugeranlage besitzt eine Lebensdauer von rund 30 Jahren, normale Staubsauger werden meist nicht so alt.
  • Wartungsarm: Zentralstaubsauger müssen nur wenig gewartet werden. Ab und an muss der Filter gereinigt oder der Sammelbehälter geleert werden.

Nachteile:

  • Anschaffungskosten: Die Kosten für einen Einbaustaubsauger fangen bei rund 1.000 Euro an. Durch die lange Lebenserwartung relativiert sich das jedoch.
  • Aufwendige Installation: Insbesondere eine nachträgliche Installation ist nicht ohne gesteigerten Aufwand zu realisieren.
  • Platzbedarf: Zentralstaubsauger und Saugschläuche benötigen mehr Platz als ein normaler Staubsauger.
  • Wärmverluste: Die Anlage pustet aufgewärmte Luft nach draußen – etwa 200 Kubikmeter pro Stunde.

Was kostet eine Staubsaugeranlage?

Bei den Kosten für den Zentralstaubsauger kommt es darauf an, ob Sie selbst montieren oder montieren lassen. Für einen Handwerker zahlen Sie sicher rund 500 Euro. Für die verschiedenen Bestandteile der Staubsauganlage kommen in etwa diese Kosten auf Sie zu:

  • Zentralstaubsauger: ca. 750 Euro
  • Schlauchset: ca. 300 Euro
  • Saugsteckdose: ca. 35 Euro
  • Kehrleistensaugdose: ca. 50 Euro
  • Steuerstromkabel: ca. 100 Euro
  • Rohre (pro Meter): ca. 5 Euro

Je nachdem, wie viele Steckdosen und Schlauchsets Sie benötigen, liegen die Materialkosten zwischen 1.500 und 2.000 Euro.

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